(Auszug inneres Tagebuch)
Ich laufe. Ich laufe umher, wie eine Kriminelle auf der Flucht. Vermummt, in einen sackigen Strickmantel und einen dunklen, bis zur Nasenspitze hochgezogenen Schal, ziehe ich durch die Gänge des Supermarktes. Ein Kilogramm mit Käse gefüllte Tortellini, zwei Gläser grünes Pesto, drei Packungen Schnitzel und eine große Flasche Zitronenlimonade zum Runterspülen. Bloß schnell heim, damit mich niemand erkennt und das Konstrukt zusammenbricht.
Ein Glück. Niemand zu Hause. Ich lege meine Tarnung ab, lasse alle Verpackungen verschwinden und präpariere das üppige Buffet. Salatschüsseln, gefüllt bis zum Rand und Teller, auf denen es sich stapelt, umgeben mich. Ich sitze in Mengen. Dann geht das besinnungslose Gefresse los. Mein Kopf ist abgeschaltet. Ich kann nicht klar denken. Bin im Rausch. Ich fange an zu stopfen. Stopfe das leere Gefühl in mir. Mehr und mehr. Bin wie betäubt. Schnell, schnell, schnell. Alles rein. Bevor das Sättigungsgefühl kommt.
Keine 20 Minuten vergehen. Regungslos liege ich in meinem Schlachtfeld. Ekel mich vor mir selbst. Mir ist übel, so unfassbar übel. Fühl mich widerlich. Abschaum. Eine Mischung aus Selbsthass und unerträglichen Bauchschmerzen kommt in mir hoch. Will mich übergeben, aber nicht mal das schaffe ich. Erbärmlich. Die Sucht beherrscht mich, wie ein widerlicher Parasit. Vom Nichtsessen in den nächsten Anfall. Wieder und wieder. Wie von Tollwut besessen. Apokalyptische Stimmung. Ein endloser Kampf gegen mich selbst.
Ein Glück. Niemand zu Hause. Ich lege meine Tarnung ab, lasse alle Verpackungen verschwinden und präpariere das üppige Buffet. Salatschüsseln, gefüllt bis zum Rand und Teller, auf denen es sich stapelt, umgeben mich. Ich sitze in Mengen. Dann geht das besinnungslose Gefresse los. Mein Kopf ist abgeschaltet. Ich kann nicht klar denken. Bin im Rausch. Ich fange an zu stopfen. Stopfe das leere Gefühl in mir. Mehr und mehr. Bin wie betäubt. Schnell, schnell, schnell. Alles rein. Bevor das Sättigungsgefühl kommt.
Keine 20 Minuten vergehen. Regungslos liege ich in meinem Schlachtfeld. Ekel mich vor mir selbst. Mir ist übel, so unfassbar übel. Fühl mich widerlich. Abschaum. Eine Mischung aus Selbsthass und unerträglichen Bauchschmerzen kommt in mir hoch. Will mich übergeben, aber nicht mal das schaffe ich. Erbärmlich. Die Sucht beherrscht mich, wie ein widerlicher Parasit. Vom Nichtsessen in den nächsten Anfall. Wieder und wieder. Wie von Tollwut besessen. Apokalyptische Stimmung. Ein endloser Kampf gegen mich selbst.
»These Days Are Not Days But Strange Symptoms«, kultur&gut, 2023
Danach ist immer zu viel – Rückzug in undefinierbare Massen
»Essen, als ob nicht jeder Akt der Einverleibung fremder Stoffe symbolisch kodiert und die Nahrungsaufnahme von Geburt an in ein Gefüge aus Wünschen und Bedürfnissen, Ängsten und Sorgen, Erwartungen und Enttäuschungen verstrickt wäre.« (Daniele Dell’Agli)
Essen ist weit mehr als bloße Nahrungsaufnahme. Es ist ein kultureller, emotionaler und sozialer Akt, der uns mit Ritualen, Erinnerungen und Symbolen verbindet. Doch was geschieht, wenn Essen zur Zuflucht wird, wenn die Grenzen zwischen Genuss und Betäubung verschwimmen?
»Danach ist immer zu viel« ist eine persönliche Auseinandersetzung mit der Essstörung Binge-Eating – einer Krankheit, die von exzessiven und unkontrollierten Essanfällen geprägt ist. Essen wird zur Antwort auf Erwartungen, Zweifel und Enttäuschungen. Zwischen Komik und tiefer Traurigkeit fängt die Serie die emotionalen und körperlichen Spuren ein, die die Binge-Eating-Störung hinterlässt und macht sichtbar, wie tiefgreifend und schmerzhaft die Wahrheit eines unkontrollierbaren Verhaltens sein kann. Ein Suchen nach Ursprung, Auslösern und Abgründen. Von der Verführung und der Wucht des Moments, von Überfluss und Leere, und von den Spuren, die diese Abgründe hinterlassen.
Essen ist weit mehr als bloße Nahrungsaufnahme. Es ist ein kultureller, emotionaler und sozialer Akt, der uns mit Ritualen, Erinnerungen und Symbolen verbindet. Doch was geschieht, wenn Essen zur Zuflucht wird, wenn die Grenzen zwischen Genuss und Betäubung verschwimmen?
»Danach ist immer zu viel« ist eine persönliche Auseinandersetzung mit der Essstörung Binge-Eating – einer Krankheit, die von exzessiven und unkontrollierten Essanfällen geprägt ist. Essen wird zur Antwort auf Erwartungen, Zweifel und Enttäuschungen. Zwischen Komik und tiefer Traurigkeit fängt die Serie die emotionalen und körperlichen Spuren ein, die die Binge-Eating-Störung hinterlässt und macht sichtbar, wie tiefgreifend und schmerzhaft die Wahrheit eines unkontrollierbaren Verhaltens sein kann. Ein Suchen nach Ursprung, Auslösern und Abgründen. Von der Verführung und der Wucht des Moments, von Überfluss und Leere, und von den Spuren, die diese Abgründe hinterlassen.
(series from 2022/23)